Tag I: Clara tritt ihre Haft an, 100 mahnen für atomwaffenfreie Welt

Ein aufregender Tag liegt hinter uns.

Mit mehr als 100 Unterstützer*innen aus der ganzen nördlichen Republik haben wir heute Clara in den Knast verabschiedet. Aber der Reihe nach.

Gestartet sind wir mit einem Solidaritätsfrühstück, vorbereitet von Silke vom Comm e.V. Im strahlendem Sonnenschein lauschten die bunten
Menschen den Liedern der Lebenslaute. Einige Pressevertreter*innen nahmen Clara ganz schön in Beschlag (davon merken wir im Presseecho gerade noch nicht soviel) und die Zeit zum Haftantritt rückte näher. Gegen 11.30 Uhr wechselten wir von der Mahnwache , über die Straße zum Fussgänger*innentor der JVA. Dort hielt Berthold Keunecke eine kleine Rede, in der er betonte, dass nicht nur Claras Handeln wichtig sei, sondern „darum braucht es uns alle, dass wir unsere Einsichten in konsequentes Handeln umsetzen- auch wenn das Probleme und Belastungen bedeutet.“

Mit bunten Seifenblasen von Attackis aus Hildesheim entstanden leichte luftige Bilder vor der Knastmauer. Höhepunkt der öffentlichen Verabschiedung war das von Clara gesungene und von uns allen im Refrain verstärkte Lied: „Vom Atomwaffenlager in den Gerichtssaal gehen wir und
noch viel weiter- nun sind wir hier. Auch hinter Gittern könn wir kämpfen für eine friedlichere Welt in der keine Bombe fällt. Egal ob drinnen oder daußen wir wandeln laut und unbequem unaufhaltsam das System“.

Und dann hieß es Abschied nehmen. Mit der Gitarre in der einen Hand, in der anderen Hand die offizielle Vorladung in das Gefängnis, auf dem Rücken der große Rucksack mit Wendland-Fahne und der große alte Pappkoffer in der dritten Hand geht Clara- in eine unfreie Welt, geprägt von struktureller Gewalt. Doch wir sind froh: sind wir uns doch sicher, dass Clara keine personelle direkte Gewalt erleben wird, wie wir es z.B. in der Türkei befürchten müssten. Unser Mitkämpfer Ernst-Ludwig Iskenius aus der Prozessgruppe Widerspruch ist just zu diesem Zeitpunkt dort, um
Menschenrechtsverteidiger im Gericht zu unterstützen. Und doch hat er vorher für Clara für jeden Tag einen Brief geschrieben, den wir in den Briefkasten der JVA jeden Tag einwerfen.

Das Erzählcafe mit Hanna mit Erfahrungen aus genau dieser JVA gibt einen guten Einblick in die Knastbedingungen in Hildesheim. Es wird kälter und feuchter. Wir suchen Claras Zelle. Doch liegt sie wohl mit dem Fenster Richtung Innenhof- so dass sie uns nicht sehen kann.

Wir kommen zur Ruhe. Es wird leerer auf der Mahnwache. Wir lassen den Tag ausklingen mit Filmen über Mutlangen und X-tausendmal quer.
Erfolgreiche Beispiele Zivilen Ungehorsams.

Heute ist Vollmondin. Vielleicht ist auch Claras Zelle so hell erleuchtet wie die städtische Wiese auf der wir in warmen Wohnwägen oder kalten Zelten schlafen.

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