Lingen Blockade: Wir schließen die Schranke! – Teil 1

räumung2Hier ist der Bericht zum ersten Tag der Lingen Blockade!

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Am Montag, dem 28.09.2015, fand unsere angekündigte Blockade der Brennelementefabrik Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) – AREVA in Lingen statt.

Schon mehrere Tage zuvor trafen einige JunepA-Menschen ein, um das Camp auf der Wagenburg in Lingen zu organisieren. Dort, auf einer schönen Wiese und mit netten Menschen wurde am Sonntagabend die Aktion für Montag besprochen.

Nach einer kurzen Nacht ging es dann bereits um halb fünf los – ein Spaziergang durch den Wald, dunkel und geschützt. Um knapp 5:15 Uhr erreichten wir müde aber motiviert die Zufahrtsstraße von ANF.
ANF ist eine Tochterfirma des französischen Staatskonzerns AREVA und ist für die Herstellung von Brennelementen zum Betreiben von Kernkraftwerken auf der ganzen Welt zuständig. Da die GmbH kein deutsches Unternehmen ist, ist sie auch nicht vom Atomausstieg betroffen und soll auf unbestimmte Zeit weiterlaufen. Ein enormer Widerspruch im Konzept des Atomausstiegs der deutschen Regierung, auf den wir mit der Blockade aufmerksam machen wollten.

Da die Blockade angekündigt war, warteten dort schon etwa 20 Polizeibeamt_innen auf uns. Die Beamt_innen bildeten eine Kette einige Meter vor den Schranken der Werkszufahrt.
Vorerst ließen wir uns also vor der Kette nieder. Dort wurde sogleich ein Kuchen mit Kerzen bestückt und feierlich angezündet, zusammen mit einem Geburtstagsständchen für eine_n der Blockierer_innen. Eine Gitarre wurde ausgepackt und gesungen. In all dem ging die Vorstellung unseres Einsatzleiter Klaus Herbers ein wenig unter.
Einige Minuten nach unserer Ankunft erreichte noch eine weitere Wagenladung Menschen die Blockade. In der Verwirrung, die das bei der Polizei stiftete, gelang es einer Aktivistin mit ihrer Gitarre direkt vor die Schranke zu gelangen. Dort ließ sie sich nieder und stimmte unter anderem Lieder wie „Wir schließen die Schranke – Atomkraft – Nein, Danke!“ an.
Die Mitarbeiter_innen wurden währenddessen unter Vorlage ihres Betriebsausweises zu Fuß an der Seite der Blockade vorbeigeleitet. Schon nach kurzer Zeit war die lange Zufahrtsstraße des Industriegebiets zugeparkt.

Die Polizeiautos formierten sich wie eine Barrikade vor der Werkszufahrt, was unserer Blockade sehr entgegenkam. Auch die Mitarbeiter_innen bemerkten treffend: „Wer blockiert hier eigentlich? Die Demonstranten oder Sie?“. Danke, Polizei 😉
Nur an der einen Seite war eine kleine Zufahrt freigelassen worden, die sogleich von Aktivist_innen besetzt wurde.
Mehrfach durchflossen einzelne Personen die unaufmerksame Polizeikette und gelangten zu der immer noch an der Schranke sitzenden Demonstrantin, wurden jedoch sofort geräumt, da sie als „Störfaktor“ gezählt wurden (die Gitarre-spielende Person jedoch nicht?!).
Auch durch „Vorrücken“ in den freigelassenen Weg wurden die Polizist_innen auf Trab gehalten, weil sie ab und zu die menschliche Barrikade ganze ein bis zwei Meter zurücktragen mussten. Super sinnvoll.

Zur Mittagszeit erreichte dann ein Transporter mit Essen für die Arbeiter_innen die Blockade. Die Demonstrant_innen in der Zufahrt, auch die mittlerweile zwei Personen vor der Schranke, wurden geräumt, um den Weg freizumachen.
Gegen 12 Uhr beschlossen wir, die Aktion zu beenden, da unser Standpunkt deutlich geworden war und durch das Verhältnis Polizei-Demonstrant_innen eine effektive Blockade unserer Einschätzung nach nicht mehr möglich war. Von einer lokalen Unterstützerin bekamen wir noch Kaffee und Tee zum Aufwärmen (vielen Dank!) und machten uns dann auf den Weg zurück zur Wagenburg Lingen Strahlende Zukunft.

Alles in allem zeigten wir mehr als 6 Stunden Präsenz vor der Brennelementefertigungsanlage in Lingen. Durch unsere Aktivist_innen auf der Zufahrtsstraße und direkt vor der Schranke konnten stundenlang keine Autos auf das Werksgelände gelangen – ein höchst effektiver Eingriff in den Werksablauf. Mit Musik, Seifenblasen und jeder Menge Spaß ist es uns gelungen, ein buntes Zeichen für die Schließung der Brennelementefabrik zu setzen.

Foto vom Blog weltweit.nirgendwo.info

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